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14 July 2016

Workshop an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Oktober 2016

Vorläufiges Programm des Workshops herunterladen

Die lange Tradition von Autoportraits und Autobiografien führt den Stellenwert vor Augen, den Beschäftigungen mit dem Selbst in der künstlerischen Aneignung der Welt seit jeher einnehmen. Nicht zuletzt durch die stetige Weiterentwicklung der technischen Möglichkeiten liegen heute zahlreiche mediale Formen vor, die zur Repräsentation und Inszenierung des Selbst eingesetzt werden. Fotografie, Film, Musik, Skizzen, Sprachaufnahmen oder Profile in sozialen Netzwerken bringen jeweils unterschiedliche Möglichkeiten mit sich, Aspekte der eigenen Persönlichkeit zu zeigen oder in den Vordergrund zu rücken.
Die geplante Konferenz nimmt diese Phänomene aus einer crossmedialen Perspektive in den Blick. Selbstentwürfe treten in Literatur, Kunst oder Popkultur mit sprachlichen Selbstdarstellungen in Interaktion, werden in dieser Kombination als Statement des Selbst wirksam gemacht und erproben damit poststrukturalistische Theorien der Subjektkonstitution (Smith et al. 2010). In diesem Rahmen sollen der Einsatz und das Potenzial unterschiedlicher Medien zur Selbstdarstellung in verschiedenen slawischen Kulturen sowie die dadurch gezeichneten Persönlichkeitskonstrukte, Menschenbilder und Selbstverortungen beleuchtet werden. Die Konferenz legt ihr Hauptaugenmerk auf Medienkombinationen und versteht sich damit als Ergänzung zu Arbeiten über Dichterbilder (Städtke 1996), Ich-Entwürfe (Schmid 2000), Mystifikation (Frank et al. 2001) und Selbstinszenierung (Tippner et al. 2014) in den slawischen Kulturen.
Mögliche Themen für Beiträge inkludieren musikalische und filmische Autobiografien, die Rolle von Fotografien in Autobiografien, das Zusammenspiel verschiedener Medien in sozialen Netzwerken oder auch Portraitbilder als Topos in der Literatur.

Literatur
Frank, S., R. Lachmann, S. Sasse et al. (ed.) 2001. Mystifikation – Autorschaft – Original. Tübingen.
Moser, Ch., J. Dünne (ed.) 2008. Automedialität. Subjektkonstitution in Schrift, Bild und neue Medien. München.
Smith, S., J. Watson 2010. Reading Autobiography: A Guide for Interpreting Life Narratives. Minneapolis.
Schmid, U. 2000. Ichentwürfe. Die russische Autobiographie zwischen Avvakuum und Gercen. Zürich.
Städtke, K. (ed.) 1996. Dichterbild und Epochenwandel in der russischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Bochum.
Tippner, A., Ch. Laferl (ed.) 2014. Künstlerinszenierungen. Performatives Selbst und biographische Narration im 20. und 21. Jahrhundert. Bielefeld.


02 October 2015

distant_watching_giessen


26 April 2015

Gastvortrag im Rahmen der Lehrveranstaltung Digital Humanities: Empirische Methoden in der slawistischen Sprach- und Textwissenschaft.

Folien:

fernsehen

 

 


23 February 2015

Um virale Videos auf YouTube untersuchen zu können, ist ein quantitativer Zugang unumgänglich. Die Literatur- und Kulturwissenschaften – insbesondere die Slavistik – beschränken sich allerdings größtenteils auf textbasierte Verfahren. Das hier vorgestellte ‚distant watching‘ kann die Schranken des Textes überwinden, weil es erlaubt, eine große Anzahl an Videos mit einem Blick zu erfassen und Rückschlüsse auf deren grundlegende kreative Mechanismen zu ziehen.

Folien sind hier:
distant_watching


27 January 2015

Der Vortrag ist einem besonderen Aspekt (auto-)biographischen Schreibens gewidmet, nämlich der (Selbst-)Inszenierung russischer Schriftstellerinnen und Schriftsteller im Internet. Damit soll eine Lücke geschlossen werden, denn die (Auto-)Biographieforschung sieht das Netz vornehmlich als nicht eingelöstes Versprechen eines (auto-)biographischen Hypertextes, wobei sie gleichzeitig die neuen kreativen Formen übersieht, die sich im Laufe der Zeit etabliert haben. Einerseits ist das vielzitierte Web 2.0 mit seinen sozialen Netzwerken ein Medium zur Selbstdarstellung. Gleichzeitig sind Identitätswechsel und -diebstahl so einfach wie nie zuvor. Diese Dichotomie der Authentizität und Inszenierung durchdringt alle Sphären des Netzes und ist besonders im russischsprachigen Teil des Internets sehr präsent.

Anhand der russischen Netzliteratin Linor Goralik wird gezeigt, inwiefern sich (auto-)biographische Formen im Netz von ihren ‚klassischen‘ Geschwistern unterscheiden und wie diese Unterschiede die Literaturwissenschaft vor neue Herausforderungen stellen. Intermediale Genres wie etwa Webseiten und die schiere Masse an in Frage kommenden Texten verlangen völlig neue Herangehensweisen. Vor allem quantitative Ansätze der Digital Humanities haben sich in diesem Zusammenhang als sehr nützlich erwiesen. Doch nicht nur methodologisch ist ein Umdenken notwendig. Grundlegende Konzepte der (Auto-)Biographietheorie wie Philippe Lejeunes ‚pacte autobiographique‘ greifen ebenfalls zu kurz und verlangen nach einem Update, um die (Selbst-)Inszenierungen im Runet besser fassen zu können.

Die Folien sind online verfügbar:
Folien


19 December 2014

Our extended conference announcement was published in Digital Icons 11 (2014), pp. 113-120.


02 July 2014

evgenij


12 June 2014

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26 March 2014

Das literarische SOM (LitSOM) wendet selbstorganisierende Karten (Self-Organizing Maps, SOM) und Learning Vector Quantization (LVQ) auf russische Literatur an. Das SOM wird dafür eingesetzt, um eine Karte zeitgenössischer russischer Romane zu erstellen, die es Literaturwissenschaftlerinnen und Literaturwissenschaftlern erlaubt, Beziehungen zwischen den Romanen zu untersuchen. LitSOM ist eine ‚Distant reading‘-Technik. Die Qualität der Karten wird sowohl subjektiv aus der Sicht der Literaturwissenschaft, als auch objektiv, d.h. in einem ‚klassischen‘ Problem des Textmining, nämlich der Klassifizierung von Autorinnen und Autoren, bestimmt. Um dies zu erreichen, wird der SOM-Algorithmus durch den LVQ-Algorithmus ergänzt.

Das Paper steht auf der Konferenz-Seite zur Verfügung.

Die Präsentation kann hier heruntergeladen werden:

LitSOM-Präsentation


08 November 2013

The relationship between Poland and Russia has been full of conflicts for centuries. Starting with the three Polish partitions, these problematic relations include also the Polish-Soviet war and the domination of the Soviet Union in the People’s Republic of Poland (Polska Rzeczpospolita Ludowa, PRL). All these conflicts were reflected medially, for example in Jan Kochanowski’s Trip to Moscow (Jedza do Moskwy, 1583), or, more recently, in Andrzej Wajda’s Katyń (2007).

In one of the most successful Polish computer games of all times, Gorky 17, this old antagonism of Poland vs Russia is renewed. Gorky 17 is a fictitious Soviet research facility located in the PRL, which tries to create a Soviet Übermensch. After the collapse of the Soviet Union Russian general Kozov continues these experiments to a tragic outcome: Loads of zombies begin to terrorize Poland. A NATO task force controlled by the player has to regain control over the mutant-infested premises of Gorky 17.

As regards the translation of ‘the Russian’, several consequences can be formulated. First of all, the alien Soviet force invading the PRL is represented in form of General Kozov. Secondly, the post-Socialist antagonism NATO vs Russia is reflected. Thirdly, the Soviet mutants as evil specters from the past can be read as examples for strategies to deal with the Soviet trauma (cf. Alexander Etkind’s notion of “magical historicism”). Finally, also a Russian translation of the game exists, where good Russians fight bad Russians – all traces of Poland have been removed. Thus, I want also to focus on this diametrically opposed direction of the translation process.

Slides are available here:


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